Hans Jon Ries AV-Design

Musiker Grafiker Pädagoge


CD NUNATAKA, 2005


Kritiken

L’EST républicain, F-Epinal, Dienstag 9. November 2004:

Die eigentümlichen Perkussionen von Hans Ries

Ein absolutes ungewöhnliches Konzert konnten diejenigen hören, welche sich im Chor der Kirche „Saint-Pierre Fourier“ am Samstagabend zusammengefunden haben. Das Kommen von Hans Ries – einer der grössten Perkussionisten unserer Zeit - in die Stadt und Ansiedlung erwies sich als besonderer Moment und speziell erfolgreich für Liebhaber ästhetischer Musik. Ein Konzert organisiert vom Perkussionsatelier „ Pré du Rein“ aus Prey neben „Lépanges-sur-Vologne“ und seinen Betreibern Dieter und Monika Hermann.

Visualisieren Sie sich einen Schweizer Musiker auf einem Instrument spielend, welches Marimba genannt wird, auf unserem Territorium der Vogesen (,Vosge’), hergestellt von einem deutschen Paar, welches als Wahlheimat die ‚Vosge’ ausgewählt haben, da sie dem Charme unserer Wälder und Bergen erlegen sind: Alles in Allem eine Scheibe Europas.

Für alle die es nicht kennen (oder allen denen, die die Gelegenheit nicht wahrgenommen haben es besser zu entdecken), die Marimba ist eine Art Konzert-Xylophon, mit einem Stimmumfang von 5 Oktaven und einer Klangfarbe, die sowohl an einen Flügel als auch an eine Kirchenorgel erinnert. Dieter und Monika Hermann, weit über unsere Grenzen anerkannt, sind seine Hersteller.

Hans Ries, Musiker und Musikpädagoge über 18 Jahre an mehreren Konservatorien und höheren Musikschulen in Europa tätig, führt seit 8 Jahren sein eigenes Kreations-Atelier. Da er bewundernswert mit den Schlegel umgehen kann, welche er des öfters wechselt (daher verändern sich die Klangfarben von neuem), und es gelingt ihm ganz regelmässig mit je zwei Schlegel in jeder Hand zu spielen, ist das Resultat ganz offensichtlich hinreissend. Hinzu kommt, dass der Chor von „Saint Pierre Fourier“ sich als vorzügliches Auffangbecken für Klänge, Vibrationen und Klangqualitäten von Hans Ries enthüllt hat und daher ein perfektes Rezept für ein originelles Konzert und eine reichhaltige Schulung für das menschliche Ohr geboten hat.

Mysterien

Musiker aber auch Komponist und Schöpfer, Hans Ries lässt uns Megalomanen der Ansiedlung den warmen Timbre der Klangplatten entdecken und lieben. Einerseits entspringt die Klangfarbe aus den vierstimmigen Vibrationen der Aufschläge der verschiedenen Schlegel. Andererseits verleihen die Resonatoren, welche unter den Klangplatten platziert sind, dem Instrument Klangfarben einer Orgel, welche aus einer Panflöte auszubrechen scheinen.

Wenn man weiss, dass er an zahlreichen Schöpfungen für das Theater, den Zirkus, das Kino, das Puppentheater und an Multimediaproduktionen teilnimmt, ist man nicht erstaunt.

Der Künstler - verdammt einfallsreich - hat samstagabends die Gong-Trommeln, wovon eine sicher zwei Meter Durchmesser hat, benutzt. Die Trommeln, die er selbst gebaut hat sind Früchte jahrzehntenlanger Forschung in sehr verschiedenen Disziplinen wie zum Beispiel der Auseinandersetzung mit dem Baum- und Tierreich und der Handwerks- und Klangkunst.

Mit weiteren Instrumenten wie Rasseln, Klangstäben, Glocken, Chimes, Schüttelfrüchten, Pfeiffen und Vogelstimmen entstand ein Programm mit  Kompositionen wie „danse macabre“, „die Zeit steht still“, von „Frühlingssturm“, „Sternenfischer“ bis „Waldregen“, oder etwa von weniger verständlichen Titel wie „Zaoli“, „für Pao“, „Nasci“ und „Nunataka“: Eine Klangreise voll Charme und Mysterien.


Die Nunatakker waren die Bergspitzen, die in der Eiszeit aus dem Eismeer herausragten. Diese Inseln dienten den Zugvögeln als Rastplatz und Refugium. Durch die Pflanzensamen, welche im Kot dieser Vögel importiert und auf den Nunatakkern abgelegt wurden, entstand neues pflanzliches Leben. Man kann also sagen, dass die Menschen es mitunter dem Kot eines Pirols (Singvogel) zu danken haben, dass bei uns das pflanzliche Leben neu entstand.

Eine Auftragsarbeit zum UNESCO-Welterbe der Jungfrau Aletschgletscher Region, dem grössten Eisstrom in Europa, bildete die Inspiration zu mehreren Kompositionen dieser Aufnahmen. Mein von den Nunatakkern abgeleitete Fantasienamen NUNATAKA kürte ich schliesslich zum Titel dieser Klangreise.

Und wie klingt es in der Eiszeit? Welche Stimmung beherrscht ein „Land“, das nur aus gefrorenem Wasser, Stein und Wind besteht. Wieviel Leben findet sich darin? Eine Gletscherwanderung gibt Antworten: Das reflektierte Sonnenlicht im Eis lässt den Gletscher erglühen, das Gurgeln unzähliger Wasserläufe erfüllt die Luft und die Spuren der Erosion säumen den Gletscher (Moränen). Der eisige Gletscherwind schmirgelt. Das fortwährende Wechselspiel von Tag und Nacht, Wärme und Kälte lässt den Gletscher leben: in seinen Farben und im Lichterspiel, durch die Klänge des Gletscherwindes und im fliessen vom Wasser, dem bersten von Eis - die unaufhörlichen Veränderungen seines Antlitzes.

Der Klang der Trommeln und deren Spiel durchschreitet die Sphäre des Eisstromes in seiner Grösse und monotonen Vielfalt.  Gönnen sie sich diese Momente, gleich einer Wanderung durch eine archaische Perle unserer Mutter Natur.   

Gedanken zu den Kompositionen

Eistunnel, 1 bis 4 Glockenspiel, Marimba, Schellen
Wie klingt das Jenseits, wenn es sich im Gletscher befindet? In der Walliser Sage „dia alt Schmidja“, erfahren wir, wie die „armen Seelen“ ihre Freundin Schmidja auf ihrer letzten Reise in einem Lichterzug in den Gletscher heimbegleiten.

Eiszeit – Nunatakker Gongtommeln, Flöten, SchüttelfruchtChaos? Der Wind heult und das Grollen unter dem Eis zeugt von unbekannten Mächten und roher Wildheit.

Flockentanz, Gongtommel, von Hand gespielt

Wolkenflut und Glitzerglut Gongtommel mit Stöcken

Sie taumeln im Winde
Und gleiten zu Boden
Leichte weisse Wolkenflut
Sie wandeln das Antlitz
und bannen die Sinne
Lichter kühler Flockentanz
Sie formen die Stille
und weben Kristalle
Lausche dieser Glitzerglut

Moränen Gongtrommel, Flöte
Erosion, ungebannte Kräfte fordern den Dialog mit dem Wind.

Gong Ki Gongtrommeln mit Fell-Schlegel
Sanfte Versöhnung ohne Forderung nach Angleichung.

Zaoli* Gongtommeln
Stammen die Zugvögel aus Afrika?

Im Zenbächen, die Jagd Vogelpfeiffe, Marimba, Gongtrommeln
Wildhühner, Gemsen und Steinböcke bevölkern die Region rund um den Gletscher. Die Jagd beginnt.

Prozession Marimba, Glocke
Eine Beschwörung bittet den Gletscher um Einhalt.

Rollibock Gongtrommeln
Ein natürlicher Gletschersee füllt sich und bricht auf. Die Sturmglocken läuten. Der “Rollibock” stürzt ins Tal und zerstört alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Alle Kompositionen, Arrangements und Interpretationen
von Hans Ries, mit Ausnahme von *Zaoli, einer traditionellen Komposition aus Westafrika, Arr. H.Ries.

Aufgenommen im Atelier Ries und in der Johanniskirche in Bern, 2004/2005Mastering und Gestaltung, Atelier Ries, ©+ P 2005, +suisa+ 

Hans Ries und seine Gong Trommeln

Hans Ries ist nicht nur Musiker, sondern auch Bote des “Gong-Trommelns“. Seine selbst gebauten Rahmentrommeln sind die Früchte jahrelanger Auseinandersetzung mit dem Baum- und Tierreich sowie der Handwerks- und Klangkunst. Die mit Naturhaut bespannten Instrumente mit Durchmessern bis eineinhalb Metern produzieren Klänge bis in den Subkontrabassbereich, welche mehr gespürt denn gehört werden.

Weitere Publikationen

CD «NASCI» (2003)